Hybridrechner
Beim Rechnen mit elektronischen Datenverarbeitungsanlagen
hat sich der Digitalrechner heute weitgehend durchgesetzt. Das
hat auch zur Folge, daß die Funktionsweise dieser Rechner
allgemein bekannt ist. Dem steht der sehr geringe Bekanntheitsgrad
des Analogrechners gegenüber. Nur verhältnismäßig
wenige wissen mit den Begriffen "Analogrechnen" oder
"Hybridrechnen" überhaupt etwas anzufangen.
Von der geschichtlichen Entwicklung her ist dies
eigentlich wenig verständlich: Die Leibnizsche Rechenmaschine
war streng genommen ein Analogrechner, wenn auch nicht unbedingt
zum Lösen von Differentialgleichungen. Das Prinzip
des Analogrechnens war aber bereits dort verwirklicht: Lösung
des mathematischen Problems durch Umformulierung in ein physikalisches
Ersatzproblem.
Die zündende Idee, wie mit Analogrechnern Differentialgleichungen
zu lösen sind, hatte 1876 Lord Kelvin: das Prinzip der Rückkopplung.
Es ist vergleichsweise einfach und besagt anschaulich gesprochen,
daß das Gleichheitszeichen in einer mathematischen Gleichung
beim Umsetzen auf ein physikalisches System durch die Wirkung
der beiden Teilsysteme aufeinander verstanden werden kann. Steht
beispielsweise ein Gerät zur Verfügung, das es vermag,
die Eingangsgröße zu integrieren, so kann die Differentialgleichung
y' = y so gelöst werden:

Die Realisierung der "physikalischen Rückwirkung"
hängt von der Art der physikalischen Umsetzung des Problems
ab. Beim elektronischen Analogrechner besteht sie darin, daß
die zu koppelnden Elemente auf gleiches Potential gesetzt, d.h.
elektrisch leitend verbunden werden.
Einer der ersten ernstzunehmenden Analogrechner zum
Lösen von Differentialgleichungen war ein 1914 in München
entwickelter "Fahrdiagraph", welcher die Lösung
von Differentialgleichungen der Gestalt
gestattete. Einen Entwicklungssprung stellt der 1931
am MIT entwickelte und 1942 elektromechanisch vervollständigte
"Differential Analyzer" dar. Die anschließende
Entwicklung brachte zunächst einen Rückschritt, der
mit dem Aufkommen der Digitalrechner verbunden war. Als die Stärken
und Schwächen von Digital- und Analogrechner besser bekannt
waren, setzte eine Entwicklung ein, die darauf hinauslief, diese
beiden Rechnertypen nicht gegeneinander auszuspielen, sondern
jeden dort einzusetzen, wo er seine besonderen Stärken hat.
Die Kopplung der beiden Typen führte zum Hybridrechner,
der für folgende Einsatzgebiete geeignet ist:
Die Reihenfolge der Aufzählung gibt auch den
Grad der Wichtigkeit wieder. Der Hybridrechner wird für Punkt
3 immer mehr von Digitalrechnern verdrängt. Für die
Punkte 1 und 2 ist er immer noch ein mächtiges Werkzeug und
bietet folgende Vorteile:
Die Nachteile sollen nicht verschwiegen werden:
Der Hybridrechner unseres Lehrstuhls besteht aus
folgenden Rechenelementen:
| 16 | Summierer/Integrierer |
| 12 | Summierer/Multiplizierer/Dividierer |
| 5 | Summierer/Track-Store/DA-Schalter |
| 3 | Summierer/Limiter |
| 14 | Inverter |
| 7 | Comparator |
| 10 | Potentiometer, manuell |
| 55 | Servo-Potentiometer |
| 10 | Digital-Potentiometer |
| 2 | Funktionsgenerator |
| 14 | Funktionrelais |
| 4 | Progr. Relais |
| 8 | A/D-Umsetzer |
| 8 | D/A-Umsetzer |
| Digitalrechner 680x0, Echtzeit-Betriebssystem OS/9 |
In jedem Semester wird eine Vorlesung mit Praktikum angeboten. Betreuer:
W. Schultz
Die Anmeldung erfolgt in der Regel am 1. Donnerstag des Semesters im
Hörsaal S1128.